[*]   Unsere "Memories"

Auch wir wurden natürlich mal geboren. Wuchsen auf, gingen in die Krippe oder den Kindergarten und später zur Schule. Zu dieser Zeit gab es noch gravierende Unterschiede in unseren Lebensläufen. Sicherlich mag das auch daran gelegen haben, dass ich unter harter kommunistischer Führung aufwachsen musste, während Birgit unter der Herrschaft des unbarmherzigen Kapitalismus lebte. Trivialer, aber die Entwicklung nicht minder prägend, sind sicherlich die Unterschiede zwischen uns bezüglich Charakter und Geschlecht.

Steffen

Meine Erinnerung reicht nur brüchig bis in die Kindergartenzeit zurück. So dass es dazu nicht viel zu sagen gibt. An die Zeiten in der POS kann ich mich dagegen noch recht gut erinnern. Ich war schon immer ein ganz Lieber. Die Lehrer in der Schule behielten mich immer extra nah bei sich und besuchten auch meine Eltern öfter als die der Mitschüler. Täglich kommunizierten sie über ein so genanntes Elternheft, in welchem die Lehrer ihr Leid niederschrieben. Meine Eltern zeigten ihr Mitgefühl durch eine Unterschrift. Dieses Spiel lief einigermaßen konstant ab, bis mich meine Mathelehrerin errettete. Sie schlug vor, ich solle doch auf die Spezialschule gehen. Mir ist bis heute nicht klar, ob sie mir damit wirklich einen Gefallen tun wollte oder ob es eher ihr Ansinnen war mich loszuwerden.

Mir bekam das jedenfalls sehr gut. Elternhefte gab's dort nicht und meinen Ruf konnte ich mir von neuem erarbeiten. Das gelang mir aber schnell und gründlich. Die meisten Lehrer entwickelten schon im ersten Jahr eine besondere Beziehung zu mir. Das Alter war nun aber erreicht, da die Lehrer ihr Leid nicht mehr meinen Eltern zutrugen, sondern mich lieber selbst zu sich zitierten. Bei diesen Zusammenkünften erkannten sie anscheinend meine Güte, so dass sie meistens ohne Konsequenzen endeten. Wer nicht konsequent ist, braucht sich auch nicht wundern, erklärte ich meiner damaligen Klassenlehrerin. Aber ohne Erfolg - ich konnte gehen und alles blieb beim Alten.

Aber zu dieser Zeit lief ja schon vieles nicht mehr in seinen gewohnten Bahnen. Denn es war die Zeit der Wende und Wiedervereinigung. Das sorgte für reichlich Ablenkung und führte auch dazu, dass die Lehrer nicht mehr wussten, was sie dürfen oder sollen und außerdem fürchteten die meisten um ihren Beruf. Einige verschwanden und andere kamen. Sicherlich keine wirklich optimalen Bedingungen. Dies gipfelte zwei Jahre später in einem "blauen Brief", welcher meine Laufbahn jäh zu unterbrechen drohte. Dieses Unheil konnte ich auf wundersame Weise durch eines jener "Schüler-Lehrer-Zusammenkünfte" abwenden.

Konsequenter Weise hätte ich dann wohl nach der 10. Klasse gehen sollen - wollte ich auch. Aber bei so inkonsequenten Vorbildern war es ja nicht verwunderlich, dass ich mich zu einer zweijährigen Fortsetzung überreden ließ. So kam es, dass ich auf der Abitur-Rangliste den zweiten Platz (von hinten) der Jahrgangsstufe erreichte. Da konnte es ja fasst nur noch besser werden.

Ich ergriff die Flucht nach vorn und begann in einer anderen Stadt ein neues Leben als Student - Geologie Student! Das war 1996. Ich genoss mit meiner damaligen Freundin zwei Semester studentischen Lebens im Wohnheim und gründete dann mit ihr und zwei anderen eine 4er-WG. In welche ein Jahr später Birgit einzog...

Birgit

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